Brüssel will Ticketbuchung vereinfachen (Fahrkarten und Angebote)

ICE 1517, Donnerstag, 14.05.2026, 19:54 (vor 4 Tagen) @ Mike65

Bei verpassten Anschlüssen sollen Passagierinnen und Passagiere europaweit eine Entschädigung bekommen.


Aus Kundensicht eine sehr gute Initiative, die ohne große Investitionen das Bahnfahren in Europa attraktiver machen würde. Wichtiger als die Entschädigung aber ist die kostenlose Umbuchungsmöglichkeit auf einen späteren Zug oder die Erstattung eventueller Mehrkosten bei Neukauf. Die Kosten soll der für die Verspätung verantwortliche Betreiber bezahlen. Im Ausland (zumindest F, I, E) gibt es ja grundsätzlich Zugbindung und zum Teil sogar Bahnsteigsperren. Ich befürchte nur, dass z.B. die DB nicht erpicht darauf ist, bei einem verbummelten Anschluss dem Reisenden ein sündhaft teures kurzfristig gebuchtes Ersatzticket im Ausland zu erstatten.


Eher sollte die Priorität in der entsprechenden Verordnung sein, dass gar kein Ersatzticket gebucht werden muss, sondern das Ticket einfach für den nächsten Zug genutzt werden darf - ohne zusätzliche Bürokratie.

Eine der größten Errungenschaften der Europäischen Union ist, dass die Grenzen offen sind und (wenn nicht gerade einzelne Länder Grenzkontrollen verhängen) ich ohne Weiteres zwischen den einzelnen EU-Ländern mich bewegen kann.

Man stelle sich das mal vor: Autobahnfahrt von Frankfurt nach Paris, Stau bei Mainz und ich verliere dadurch 1,5 Stunden. An der Grenze bei Saarbrücken darf ich nun aber nicht die Grenze passieren, weil ich mein vorgebuchtes Zeitfenster verpasst habe. Aber ich kann für 50 Euro ein Sofort-Zeitfenster buchen. Oder das andere Extrem: Ich komme staufrei durch bis zur deutsch-französischen Grenze, aber habe mir einen Puffer von 1 Stunde eingebaut und muss nun an der Grenze warten, bis mein Zeitfenster beginnt.

Klingt absurd? Aber genauso machen wir das bei der Bahn. Bislang ist es das Problem vom Kunden, wenn die Bahnunternehmen davor den Anschluss vermasseln. Und jetzt machen wir uns doch mal nichts vor: Welche Zusatzkosten entstehen für das Bahnunternehmen im nächsten Land, wenn ich einen Zug später nehme? Mir ist kein Bahnunternehmen da draußen bekannt, dass den Zug fahren lässt, weil ich komme. Es hängt auch kein Bahnunternehmen einen Zugteil an, weil ich komme. Die fahren alle das, was sowieso geplant war. Und dann sollte es doch möglich sein, das Ticket einfach im nächsten Zug gelten zu lassen, solange ein Platz frei ist.

Ich denke dabei nochmal zurück an eine Reise im Jahr 2024, die ich von Leipzig nach Manchester gemacht habe, also durch Deutschland, Belgien, Frankreich und England. Insgesamt 3 verschiedene Bahnunternehmen. Ich bin froh, dass es Interrail gibt. Würde es das nicht geben, hätte ich entweder ordentliche Reserven bei jedem Umstieg einbauen müssen oder auf dem letzten Streckenabschnitt von London nach Manchester das sündhaft teure Flexpreis-Ticket für 150 Pfund (umgerechnet 172 Euro für lächerliche 320km) buchen müssen. Das muss doch auch irgendwo im Interesse aller Bahnunternehmen liegen, dass es hier einfache Lösungen für den Kunden gibt. Wenn's die nicht gibt, bleibt der Platz bei allen 3 Bahnunternehmen leer, weil der Kunde dann den Flieger nimmt.

Ein anderer grenzüberschreitender Vergleich zum Schluss noch: 2017 wurden die Roaminggebühren im Mobilfunk in der EU abgeschafft. Auch hier hat's den Schubser durch die EU gebraucht, um die Mobilfunkunternehmen zu ihrem Glück zu zwingen. Und heute? Auf freiwilliger Basis wird das kostenlose Roaming sogar noch ins Vereinigte Königreich angeboten, obwohl diese längst aus der EU ausgetreten sind.


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